Gelmatratzen – Allgemeines und Aufbau

Matratzenhersteller sparen nicht mit Innovationen. Da wird an altbekanntem Material wie Kaltschaum oder Latex immer weiter getüftelt und manchmal präsentiert die Matratzenindustrie sogar einen komplett neuen Matratzenaufbau wie die Gelmatratze. Sie wird oft mit einem Wasserbett verglichen, dabei unterscheiden sich Gelmatratze und Wasserbett doch erheblich in ihren Liegeeigenschaften.

Zunächst einmal sind die meisten der sogenannten Gelmatratzen nicht durchgängig mit Gel befüllt. Ihr Kern besteht häufig aus einem Kaltschaum oder auch Viscoschaum, auf dem eine mehr oder weniger dicke Gelschicht mit einer Stärke von 2 bis 8 cm aufliegt, die im Profil den in vielen Haushalten gebräuchlichen Kühlpads sehr ähnlich ist. Der Schaumunterbau sorgt für die nötige Stabilität und liefert Gegendruck, während die obere Gelschicht die besonderen Liegeeigenschaften ausmacht.

Aus diesem Hybrid-Aufbau rührt auch der alternative Name Gelschaummatratze. Dennoch ist die Gelschicht der zentrale Namensgeber der meisten Gelmatratzen. Daneben gibt es aber auch echte Gelbetten: sie haben analog zum Wasserbett ein Inlay, das zunächst ebenfalls mit Wasser gefüllt wird. Danach wird Gelgranulat zugesetzt, bis sich die komplette Wasserfüllmenge in ein Gel mit der gewünschten Konsistenz verwandelt hat. Diese Konstruktion ist aber eher ein Exot in deutschen Schlafzimmern. Hier beschäftigen wir uns vorrangig mit der typischen, hybriden Gelmatratze und kommen noch einmal auf den Vergleich zum Wasserbett zurück:

Während ein Wasserbett den Körperdruck unmittelbar zurückgibt, absorbiert die Gelmatratze das Körpergewicht. Legen wir uns auf eine Gelmatratze, sinken wir erst ein und werden dann stabil und entspannt gebettet, während sich unser Körper auf einem Wasserbett noch weiter hin und her bewegt. Der Schlaf auf einer Gelmatratze ist also merklich ruhiger. Außerdem braucht die Gelmatratze keine Temperierung wie ein Wasserbett und somit entfallen auch die elektrischen Anschlüsse für ein Bett mit Gelmatratze.


Für wen eignet sich die Gelmatratze besonders gut?

Eine Gelmatratze bietet eine sehr ergonomische Schlafunterlage mit hoher, punktueller Elastizität. Sie stützt den gesamten Körper in einer gesunden, entspannten Lage ab und funktioniert für Seiten- oder Rückenschläfer gleichermaßen gut. Einzig Bauchschläfer vermissen hier manchmal etwas Unterstützung. Die Eigenschaft, Druck durch das Körpergewicht aufzunehmen, ohne dabei das Gefühl von Gegendruck zu erzeugen, ist ideal für Menschen mit Rückenschmerzen, Durchblutungsstörungen oder Gelenkproblemen.gelmatratzen-1-min Sie liegen auf einer Gelmatratze einfach bequem und werden von der Matratze wegen ihrer körperlichen Beschwerden nicht vom Schlafen abgehalten oder in der Nacht geweckt. Selbst bei einem unruhigen Schlaf folgt die Gelmatratze jeder Bewegung sofort und baut schon im nächsten Moment wieder ihre komfortablen Liegeeigenschaften auf. Die Druckentlastung dieser Matratzen ist außerdem ideal für alle Menschen, die wegen gesundheitlicher Probleme überdurchschnittlich viel liegen müssen. Zusätzliche Beschwerden oder Druckstellen werden von einer Gelmatratze verhindert.

Die Oberschicht aus Gelpads ist bei der Gelmatratze komplett abgeschlossen. Hausstaubmilben oder andere Bakterien haben hier keine Chance, sich einzunisten. Damit ist eine Gelmatratze ideal für Allergiker, die zusätzlich noch von den für Allergiker positiven Eigenschaften des Kerns aus Kalt- oder Viscoschaum unter der Gelschicht profitieren.


Vor- und Nachteile der Gelmatratze

Vorteile

Die hohe punktgenaue Anpassung bei guter Druckentlastung ist der wohl größte Pluspunkt der Gelmatratzen. Sie sind damit ideale Schlafunterlagen bei einer Vielzahl körperlicher Beschwerden, bereiten aber auch gesunden Menschen entspannten Schlaf mit einer anatomisch korrekten Lagerung von Wirbelsäule und Körper.

Als Weiterentwicklung des Viscoschaums legen Gelmatratzen einen gravierenden Nachteil ihrer Vorläufer ab: im Gegensatz zu Viscoschaummatratzen reagieren sie nicht mehr auf Temperatur und entfalten ihren vollen Liegekomfort selbst in einem kühlen Schlafzimmer, während Viscoschaum für seine Komfortmerkmale immer eine Mindestumgebungstemperatur braucht.

Wird eine mit Gel befüllte Matratze regelmäßig gewendet, ist sie außerdem extrem haltbar und erreicht mit durchgängig guter Stabilität leicht eine Nutzbarkeit von zehn Jahren und mehr.

Nachteile

Gelmatratzen sind im Vergleich zu anderen Matratzentypen ziemlich teuer. Der Preis steigt mit dem Aufwand hinter der eingesetzten Gelschicht und überschreitet bei einigen Modellen leicht die 1500-Euro-Marke und das selbst beim günstigen Matratzenkauf online.

Genauso hoch wie der Preis ist auch das Gewicht dieser Matratzen. Gerade wer wegen gesundheitlicher Probleme zu einer solchen Matratze greift, wird ohne Hilfe wahrscheinlich oft Probleme bekommen, wenn es darum geht, die Matratze zu drehen und zu wenden oder die Bezüge für eine Wäsche abzunehmen und hinterher wieder aufzuziehen.

Gelschaummatratzen besitzen in sich genügend Stabilität und funktionieren zusammen mit den meisten Lattenrosten gut. Einem reinen Gelbett fehlt dagegen die Eigenstabilisierung und diese Aufgabe muss dann ein Lattenrost übernehmen – das erfordert allerdings ein spezielles Modell, was die ohnehin hohen Anschaffungskosten weiter in die Höhe treibt.

Unabhängig vom Lattenrost funktioniert die Gelmatratze bei einem höheren Körpergewicht nicht mehr ausreichend. Sie erlaubt dann ein zu tiefes Einsinken, wird als zu weich empfunden und kann die Körperhaltung nicht mehr in gesundem Maße balancieren. Dieser Nachteil zeigt sich schon bei einer hybriden Gelschaummatratze, gehört aber auch zu den Minuspunkten bei einem echten Gelbett.


Worauf muss ich beim Kauf einer Gelmatratze achten?

Eine gute Gelmatratze ist immer an einem hohen Raumgewicht zu erkennen. Die Gelschicht sollte mindestens ein Raumgewicht von 50 kg/m³ aufweisen. Der darunterliegende Schaumkern darf nicht unter 25 kg/m³ Raumgewicht aufweisen, damit die gesamte Matratze nicht zu weich, instabil und unpräzise wird.

Außerdem muss die Schaumschicht eine gewisse Höhe mitbringen, um das Einsinken – gerade bei höherem Körpergewicht – besser auffangen zu können. Insgesamt sollte eine Gelmatratze mit ihrem Schaumkern und der Gelauflage deswegen mindestens eine Höhe von 17 cm erreichen. Je schwerer der Schläfer, desto größer muss auch die Gesamthöhe der Matratze ausfallen.

Der Kauf einer Gelmatratze mit ihren ohne Zweifel positiven Liegeeigenschaften ist wegen der aufgezählten Besonderheiten immer noch etwas spezieller als ein normaler Matratzenkauf.

Deswegen sollte eine Gelmatratze immer nur dann gekauft werden, wenn von Seiten des Händlers oder Verkäufers genügend Zeit zum Ausprobieren und Probeschlafen gelassen wird und die Matratze im Zweifel anstandslos zurückgegeben werden kann.